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Im Dialog über die Vergangenheit

500.000 bis 700.000 Heimkinder sind in der Nachkriegszeit bis Ende der sechziger Jahre unter aus heutiger Sicht völlig unzureichenden pädagogischen und materiellen Bedingungen betreut und erzogen worden. In den letzten Jahren wurden viele Einrichtungen der "Heimerziehung" mit Berichten ehemaliger Heimkinder konfrontiert, die diese Missstände und dadurch erfahrenes Leid schildern.

Die betreuten Kinder und Jugendlichen wurden damals systematisch in ihrer Persönlichkeit gebrochen mit dem Ziel, aus ihnen "anständige Mitglieder" der Gemeinschaft zu machen. Es ist unbestritten, dass jungen Menschen auch in Einrichtungen von Kirche und Diakonie viel Leid zugefügt wurde. Hilma Karoline Wolf berichtet in ihrem Buch „Herbstglück“, dass ihr dies im Prisdorfer Heim der Großstadt-Mission widerfuhr. Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland bemüht sich intensiv um die Aufarbeitung dieser Zeit. Im Februar 2009 ist ein "Runder Tisch Heimerziehung" auf Empfehlung des Deutschen Bundestages eingerichtet worden, bei dem das Diakonische Werk mitarbeitet.

Ebenso unbestritten ist jedoch auch, dass nicht alle jungen Menschen pauschal misshandelt, geschädigt oder gar seelisch verletzt wurden. In vielen Einrichtungen sind Kinder und Jugendliche vor großer Not bewahrt, in ihrer Entwicklung gefördert und so auf ein selbst bestimmtes Leben vorbereitet worden. Durch Berichte Ehemaliger weiß die Großstadt-Mission, dass dies auch in ihren Einrichtungen so war. Ebenso muss bedacht werden, dass die Kinder und Jugendlichen von Menschen betreut wurden, die nicht über eine pädagogische Ausbildung verfügten, gleichwohl mit hohem persönlichen Engagement die unzureichenden, oftmals staatlicherseits vorgegebenen Bedingungen zu kompensieren versuchten.

"Wir sind froh und dankbar, dass wir unsere pädagogische Arbeit heute unter sehr stark verbesserten Rahmenbedingungen leisten können. Seit den 1970er Jahren haben sich inzwischen fachliche und qualitative Standards hinsichtlich der Ausbildung der Betreuerinnen und Betreuer und der konzeptionellen Ausrichtung etabliert. Transparenz und Mitbestimmung prägen den pädagogischen Alltag und entwickeln sich analog zu familiären Strukturen", berichtet Andreas Weber, pädagogischer Leiter der Großstadt-Mission.

"Die Großstadt-Mission will sich bewusst ihrer Vergangenheit stellen", so Andreas Weber. "Es geht uns um eine differenzierte Betrachtung unserer Geschichte und nicht um pauschale Bewertungen. Wir wollen Leid und Unrecht dort anerkennen und uns dafür entschuldigen, wo es im Namen der Großstadt-Mission verursacht worden ist."  "Wir tragen Verantwortung. Zu dieser Verantwortung gehört es, dass wir uns nach Kräften um Versöhnung bemühen wollen", führt der geistlich-theologische Leiter der GM Broer Broers weiter aus.

Die Großstadt-Mission möchte zum gemeinsamen Dialog und zu persönlicher Begegnung einladen. Broer Broers dazu: "Wir möchten möglichst viele ehemalige Heimkinder, die in den Einrichtungen der Großstadt-Mission betreut wurden, ermutigen, ihre Erfahrungen zu schildern und sich mit ihrem Erlebten einzubringen."

Hierzu hat die GM auf Ihrer Homepage www.grosstadt-mission.de die Rubrik "Dialog" eingerichtet, auf der ehemalige Betreute auch anonym ihre Erfahrungen schildern können.

Pressekontakt
Großstadt-Mission
Broer Broers
Nikischstraße 23
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Tel.: (040) 89 71 58-30
E-Mail: b.broers@grosstadt-mission.de